Wie gut, dass wir gerade des Weges kamen

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Wir fuhren unter Motor in der Straße von Gibraltar und waren fast an ihrem westlichen Ende angelangt. Das Leuchtfeuer von Tarifa war nahe und die Kardinaltonne davor war gut in Sicht, die Entfernung zum Tor zum Atlantik war etwa 1,5 Seemeilen und zum spanischen Ufer waren es etwa 2 Seemeilen. Da entdeckten wir etwas auf dem Wasser. Etwas Rundes. Das kann doch kein Kopf sein? Doch das ist ein Kopf!!!
Ich fuhr darauf zu und es war ein Mensch. Mit matten Bewegungen schwam er und auf die Frage „Are you OK?“ kam die Antwort „No.“ Also hielt ich auf ihn zu, um ihn aufzunehmen. Er war dicht am Schiff, konnte aber nur noch langsam schwimmen. Isabell brachte den Rettungskragen aus und Karsten kam auf die Idee, dass wir die Küstenwache rufen sollten. Ich überließ den beiden die Arbeit an Deck und rief die spanische Küstenwache. Tarifa Radio meldete sich und schickte ein Schlauchboot mit zwei Leuten vom Roten Kreuz.
Der Mann war inzwischen auf der Badeplattform, nachdem er zunächst nicht an Bord wollte. Er war unverletzt aber offensichtlich am Ende seiner Kräfte. Er zitterte wegen Unterkühlung. Er kam dann ins Cockpit. Er bekam ein Handtuch und weil er gierig auf Isabells Süssigkeiten starrte auch etwas Brot zu essen.
Er war Mitte Zwanzig. Sein Haar war kurz und blond, sein Vollbart etwas länger. Er trug Shorts und ein T-shirt und einen leichten Rucksack aus Stoff auf dem Rücken. Seine Füße waren ungepflegt. Die Kommunikation gestaltete sich schwierig. Er sprach nur Französisch und wir sprechen dies kaum. Sein Name war Sebastian aus Reins in Frankreich. Er wollte nach Marokko.
Dann kam ein rotes Schlauchboot vom Roten Kreuz mit zwei jungen Männern. Sie kamen längsseits und nach zwei Versuchen hatten wir sie an einer Leine fest. Der junge Mann wollte aber nicht zu ihnen an Bord.
Zunächst war ich sehr erstaunt und dachte ich hätte mich verhört. Dann kam das Entsetzen: Ich wollte keinen Passagier an Bord.
Die beiden im Schlauchboot machten wieder los und gaben dies an die Leitstelle weiter. Sie blieben aber zum Glück in der Nähe bis die Guardia Civil kam. Während das Schlauchboot aus Tarifa kam, kam die Polizei aus Osten. Die müssen also schon auf Patroullie gewesen sein, denn sie waren schnell da. Zwei Polizisten stiegen in das Schlauchboot über und dies kam wieder längsseits. Zum Glück hatte sich Sebastian besonnen und stieg mit den Polizisten in das Schlauchboot über. Merkwürdig war, dass die Polizei erst mal nichts von uns wollte. Nach meiner Frage, kopierten sie noch unseren internationalen Bootsschein und fuhren davon. Von der ganzen Angelegenheit haben wir bis jetzt nichts wieder gehört.

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